Shoppen im Nachbarland – Polen sonntags dicht?

Frankfurt (Oder)/ Warschau – Polnische Familien bummeln am Sonntag durch eine Warschauer Mall. Ein Vater kauft mit zwei Kindern Kleidung. Nur sonntags habe er dafür Zeit, sagt er. „Am Abend unter der Woche, wenn die beiden müde sind, ist das eine Qual.“ Doch das bei den Polen beliebte sonntägliche Shoppen, von dem auch deutsche Grenzbewohner profitieren, hat bald ein Ende.

Während in Deutschland Forderungen nach einer Lockerung der Sonntagsschließung lauter werden, wird im Osten der Handel wieder eingeschränkt. Auch in Slubice, der Nachbarstadt von Frankfurt/Oder. Ab März 2018 sind nur noch zwei verkaufsoffene Sonntage pro Monat erlaubt. Ab 2020 bleiben die Läden ganz geschlossen.

Viele deutsche Besucher am Wochenende

Ausnahmen soll es an Bahnhöfen oder in kleineren Geschäften geben, in denen Inhaber selbst bedienen. Die Regelung hat die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) im Wahlkampf der Gewerkschaft Solidarnosc versprochen, aus deren Feder das umstrittene Gesetz stammt. Sie meint: Angestellte würden durch sonntägliche Arbeit ausgebeutet, sie sollten mehr Zeit für ihre Familien haben. Tritt das umstrittene Gesetz in Kraft, müssen auch deutsche Grenzbewohner umplanen. Bei ihnen sind Sonntagsausflüge zum Shoppen nach Polen sehr beliebt. Am Wochenende kämen immer besonders viele deutsche Besucher, gibt der sogenannte Polenmarkt in Hohenwutzen an.

Bevorzugt kauften sie Zigaretten, Benzin, Lebensmittel und Kleidung. Ein deutsches Ehepaar, das zum Einkaufen in die Grenzstadt Slubice, Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), gekommen ist, bleibt aber gelassen. Dann müsse man das eben unter der Woche erledigen, sagt die Frau.
Doch nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammer werden die Einkaufsströme ins Nachbarland durch die neue Sonntagsregelung abnehmen. Für den deutschen Einzelhandel könnte sich ein Vorteil ergeben, wenn Kunden den heimischen Supermarkt wählen.