Politiker schlagen Alarm: Massives Artensterben an Nord- und Ostsee

Kiel – Es gibt immer weniger Insekten, Küstenvögel und Pflanzenarten im Norden: Bis zu 20 Prozent der heimischen Arten gelten in Schleswig-Holstein mittlerweile als ausgestorben. Viele andere als bedroht.

Küstenvögel finden durch den Tourismus keine Nistplätze am Wasser, viele Insektenarten sind mittlerweile ganz aus Schleswig-Holstein verschwunden.

„Der Kampf gegen den Verlust der Artenvielfalt hat den selben Stellenwert wie der Kampf gegen den Klimawandel“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts zur biologischen Vielfalt. Als besonders bedroht gelten demnach viele Agrar- und Küstenvögel wie der Kiebitz, die Uferschnepfe und der Austernfischer.

Nach Einschätzung der Experten ist bereits bis zu einem Fünftel aller heimischen Insekten- und Pflanzenarten verschwunden. „10 bis 20 Prozent aller heimischen Arten sind ausgestorben“, sagte Artenschutz-Referent Thomas Gall. Weitere 40 Prozent seien in unterschiedlichem Maße gefährdet.

Fünf Millionen Euro gegen massives Insektensterben

Die Landesregierung will dem massiven Insektensterben mit einem Bündel an Maßnahmen entgegentreten. Im kommenden Jahr stehen dafür im Norden inklusive Bundesgeld fünf Millionen Euro zusätzlich bereit. „Diese Mittel sollen dazu beitragen, dass es auch in Zukunft noch summt und brummt“, sagte Albrecht. Früher allgegenwärtige Arten seien heute teilweise nur noch Spezialisten geläufig. „Die Biodiversität ist ernsthaft bedroht.“

Schleswig-Holstein: Neue Initiativen zum Artenschutz

Zum Artenschutz soll die Bildung neuer Wälder, die Wiedervernässung von Mooren und auch die Neubepflanzung der Straßenränder beitragen. Aber auch Gartenbesitzer können helfen. „Die Belebung von Privatgärten ist ein wichtiger Beitrag“, sagte Albrecht. Hilfreich sind weniger Steingärten, der Verzicht auf Pestizide und Torf sowie die Beschränkung des Einsatzes von Düngemitteln auf das tatsächlich Notwendige. Bei der Bepflanzung ist die Wahl heimischer Pflanzen ratsam.

Hoher Wildbestand im Norden

Weiter hoch sind im Norden dagegen die Wildbestände. Im Bereich Rotwild gab es im Jagdjahr 2018/19 mit 1218 Abschüssen einen neuen Rekord (plus 16 Prozent im Vorjahresvergleich). Beim Damwild erzielten Jäger mit 11 749 erlegten Tieren ebenfalls einen Höchstwert. Bei Wildschweinen ging die Zahl der Abschüsse nach dem Rekord im Vorjahr dagegen um 17 Prozent auf 16 276 Tiere zurück. Sorgen bereitet Minister Albrecht die afrikanische Schweinepest. Angesichts der bis kurz vor die deutsche Grenze vorgerückten Tierseuche seien weiter erhebliche Anstrengungen nötig, um die Schwarzwilddichte im Land zu reduzieren, sagte er.