Inseln an Nord- und Ostsee für Touristen gesperrt: Urlauber aus OWL müssen abreisen

Bielefeld. Jan Fidora lässt sich so leicht nicht unterkriegen. Der aus Bad Westernkotten stammende Hotelier und Inhaber des Wasserschlosses Mellenthin auf der Ostseeinsel Usedom hatte ein super Wochenende hinter sich. „Die Buchungszahlen sahen sehr, sehr gut aus“, berichtet er. Und auch das Wetter stimmte. „Die Rehe laufen durch den Park, die Seeadler drehen ihre Runden.“ So ging Fidora davon aus, dass sein idyllisch gelegenes Hotel zu Beginn dieser Woche zu 80 Prozent ausgelastet sein würde. Doch dann der Schock. Die Ministerpräsidenten der norddeutschen Bundesländer schließen aufgrund der Corona-Krise alle Inseln an Nord- und Ostsee für Touristen.

„Wir stehen vor einem Desaster“

„Wir stehen vor einem Desaster“, seufzt Fidora angesichts dieser Wende. Dieses Desaster trifft die Tourismusbranche und die von der Sperrung betroffenen Urlauber der gerade bei Ostwestfalen und Lippern besonders beliebten Inseln an Deutschlands Küsten gleichermaßen hart. Doch die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sahen keine andere Möglichkeit, die Inseln vor einer Corona-Infektionswelle zu schützen.

Nicht nur auf Usedom, auch auf allen anderen Inseln an Nord- und Ostsee hatte gerade ein Ansturm von Erholungssuchenden eingesetzt. Diese müssen nun Hals über Kopf wieder abreisen. Nur wer seinen ersten Wohnsitz auf einer der Inseln hat, darf bleiben oder vom Festland übersetzen. „Wir haben nur die eine Chance“, zeigt Frank Schwäbisch, Leiter des Hauses Detmold auf Norderney, Verständnis für die Grundsatzentscheidung.

„Was macht man mit den Folgekosten?“

Doch diese tut allen Beteiligten sehr weh. Die einen haben entgangene Urlaubsfreuden und womöglich Kosten, die niemand ersetzt, die anderen einen enormen wirtschaftlichen Schaden, der Hotelbetriebe schnell in eine existenzbedrohende Schieflage bringen kann. Als „Katastrophe“ bezeichnet auch Ina Bruns die aktuelle Lage auf den Inseln. Bruns betreibt mit ihrem aus Bielefeld stammenden Mann Mario zusammen die Strunwai Lodge auf der Insel Amrum.

„Stornierungen ohne Ende“ gehen bei ihr in diesen Stunden ein. Auch Hochzeitsgesellschaften würden abgesagt, Konfirmationen auf den Oktober verschoben. „Was macht man mit dem Personal und den Folgekosten“, fragt sie sich. Doch gleichzeitig hat sie für die drastischen Maßnahmen der Politik auch Verständnis. „Auf jeden Fall. Was soll man machen? Es geht ja auch um uns.“ Noch gebe es keinen Fall einer Corona-Infektion auf Amrum. Doch die meisten Inseln könnten von ihrer Infrastruktur her eine solche Situation auch gar nicht selbst bewältigen, sagen Insider. „Uns zu schützen, finde ich gut, wenn alle mitziehen“, sagt Ina Bruns.

„Ohne Gesundheit ist alles nichts“

Für eine Insel wie Norderney bedeutet es einen immensen Kraftakt, die bis zu 6.000 Gäste, die zuletzt auf der Insel weilten, innerhalb von zwei Tagen wieder an Land zu bringen. Zumal auch viele Rehagäste unter den Besuchern sind. „Es heißt jetzt wirklich, Verständnis zu haben. Denn ohne Gesundheit ist alles nichts“, sagt Schwäbisch.

„Sollte das Ostergeschäft wegfallen, wird es hart“

Gleichzeitig rechnet man in der Tourismusbranche auf den deutschen Inseln schon jetzt damit, dass diese Ausnahmesituation auch Existenz kosten wird. Denn schon gehen viele in der Branche davon aus, dass das eingeplante Ostergeschäft weitgehend ausbleiben wird. Die Lager in den Hotels und Gastronomiebetrieben seien gut gefüllt, heißt es. Dafür seien die Betriebe in Vorlage gegangen.

So, wie es auch bei den Erholungssuchenden ist, die nun zumindest für die kommenden 14 Tage auf ihre Reise ans Meer verzichten müssen. Wie lange dieser Zustand andauern wird, das vermag im Moment niemand zu sagen. „Ich sitze gerade im Büro und versuche, Kurzarbeitergeld zu beantragen“, berichtet Fidora. „Sollte das Ostergeschäft wegfallen, wird es hart.“