Einmal im Kreis um die Ostsee herum

Mit traumhaft schönen Eindrücken und bleibenden Erinnerungen ist ein Pfeffinger Trio mit seinem VW-Bus „G’sengte Sau“ von einer Nordkap-Tour durch zehn Länder zurück gekehrt – gesund, und rechtzeitig vor der Krise.

Albstadt-Pfeffingen. Steffen Bendrin, Marc Lang und Markus Lorenz schwärmen in vollen Zügen von ihren Erlebnissen bei der 16-tägigen „The Baltic Sea Circle im Winter“, der nördlichsten Rallye des Erdballs. Vorab ihr allergrößter Erfolg, der beispielhaft ist.

Vorgabe dieser Charity-Rally ohne Navi und GPS war, dass jedes Team bei Überquerung der Ziellinie in Hamburg einen Mindestbetrag von 750 Euro auf dem Konto hat. Die allermeisten Teilnehmer hatten die Pfeffinger schon beim Start überboten, als ihr Konto bereits 5000 Euro aufwies. Dank weiterer Spenden während der Tour von Geschäften, Privatleuten und anonymen Personen addierte sich die Spendensumme auf großartige 6470 Euro. Der gesamte Betrag kommt alsbald dem Albstädter Club Handicap zugute. „Darüber sind wir sehr, sehr stolz, denn die Leute tun doch viel“, so das gemeinsame Fazit.

Mit dem voll bepackten Fahrzeug „G’sengte Sau“ erreichten Steffen Bendrin, Marc Lang und Markus Lorenz Hamburg, wo beim offiziellen Treffpunkt eine Welcome-Party stieg. Dort bekamen die Teilnehmer auch ihr Roadbook, „unser wichtigstes Instrument“, so Steffen Bendrin, sowie die jeweiligen Tagesaufgaben überreicht. Am nächsten Morgen machten sich 65 Teams, deren Fahrzeuge mindestens 20 Jahre alt sein mussten, auf den Weg gen Norden.

Die „G’sengte Sau“ hatte auf Wunsch die Startnummer 74, zugleich die Geburtsjahrgänge von Bendrin und Lang, bekommen. Da nur am ersten und letzten Tourtag Autobahnen benutzt werden durften, ging es ohne lange Stopps durch Dänemark bis in den Süden von Schweden, wo die Drei erstmals übernachteten.

Auch in dieser Hinsicht hatte das Älbler Trio Glück. Morgens legten sie sich auf das etwaige Tagesziel fest und buchten über Internetportale ihre jeweilige Unterkunft. „Wir hatten immer sehr gute und, da außerhalb der Saison, preisgünstige Unterkünfte“, berichtet Steffen Bendrin.

Sein Platz war meist im „Büro“, wo er solche Dinge organisierte und Facebook-Posts einstellte. Das erste von insgesamt drei offiziellen Treffen war in Vilhelmina in Schweden. Dort konnten alle Teams auf einen zugefrorenen See nach Belieben ihre Fahrkünste austesten und hatten zudem die Möglichkeit, neben den Rallye-Aufgaben den Drehort der Filmreihe “ Michel von Lönneberga“, Katthult, zu erkunden.

Pause im Badezuber bei einem guten Glas Wein

Der zweite Treffpunkt war Honningsväg am Nordkap, wo sich die Dinge erneut glücklich fügten: Ihr Vermieter in Skarsvag, dem nördlichsten Fischerdorf der Welt, ermöglichte es ihnen, dass sie abends mit weiteren vier Autos der Rallye die neun Kilometer lange Straße ans Nordkap befahren durften. „Wir haben dort herrliche Nordlichter gesehen“, schwärmen die Älbler. Schon einen Tag vorher hatten sie die Nordlichter – ganz schwach – aus einer Holzhütte im warmen Badezuber bei einem Glas Wein genossen.

Die „G’sengte Sau“ fuhr anderntags im Konvoi hinter einem Schneepflug nochmals ans Nordkap. Dreimal am Tag ist das im Winter möglich, zwei Stunden darf man sich aufhalten. Ein Höhepunkt, der besonders den 45-jährigen Markus Lorenz beeindruckte, waren die Lofoten, die das Trio nach teils schwerem Seegang mit der Fähre erreichte. Es handelt sich um eine Inselgruppe, deren schneebedeckte Berge skurril in das kristallblaue Wasser reichen. Das glatte Gegenteil der ergreifenden Eindrücke war die dortige Tagesaufgabe: Das Trio musste eine Fischdose kaufen, öffnen und dann 200 Kilometer weit im Auto mitnehmen – strenger Duft inklusive.

Von Finnland aus ging es auf direktem Weg nach Russland, wo die Älbler eine etwas andere Welt, auch mit einem gewissen Unwohlsein, als in Europa erlebten. Durch das Ausfüllen zahlreicher Formulare kann jeder lückenlos überwacht werden, wie lange er sich in Russland aufhält. Beeindruckend für die Pfeffinger waren St. Petersburg und Tallinn. Über Estland, wo in Raudsilla in einem Nationalpark das dritte offizielle Treffen mit großem Lagerfeuer und DJ stattfand, über Lettland, Litauen und Polen ging es zurück zum Zielort, dem Hamburger Fischmarkt, zur Siegerehrung.

Was allen besonders auffiel, erzählt Marc Lang: „Wir hatten von Dänemark über das Nordkap und alle Länder bis Polen ein ganz hervorragendes LTE für die Mobiltelefone – kommt man nach Deutschland, bricht das Netz zusammen.“ 9000 Kilometer hatte das reiselustige Trio letztlich zurückgelegt, und alle drei lobten am Ende das gute Miteinander und die große Hilfsbereitschaft der Teilnehmer unterwegs. Die Tour jedenfalls würden sie wieder machen. „Jedoch“, räumt Markus Lorenz ein, „fünf oder sechs Tage länger, da uns vielfach in den herrlichen Städten nur zwei Stunden Zeit zur Besichtigung blieben.“