Verbote für Feuerwerk an Ostsee-Stränden ausgeweitet

Umwelthilfe fordert Böllerverbot

 
 
 

Auf Usedom wurden die Böllerverbote an den Stränden ausgeweitet, auch Hiddensee hat strenge Feuerwerks-Regeln. Wie sieht es auf Rügen und den großen Städten von MV aus?

Usedom. Zu Tausenden wird es nach dem Weihnachtsfest wieder Urlauber an die Küste ziehen, um am Ostseestrand das neue Jahr mit Böllern zu begrüßen. Doch die Kontroverse um Feinstaub und Silvesterlärm in Deutschlands Großstädten hat inzwischen auch den Norden erreicht. Usedom hat die ersten Strände bereits zu knallerfreien Zonen erklärt.

Das Usedomer Ostseebad Karlshagen will seine Einwohner und Gäste aufrufen, private Silvesterfeuerwerke zu reduzieren oder am besten ganz darauf zu verzichten. Eine Alternative dafür wäre das von der Gemeinde organisierte große Feuerwerk um 00:10 Uhr, sagt Christina Hobe von der Touristikinformation Karlshagen.

Zum ersten Mal werde Karlshagen für den Jahreswechsel eine feuerwerksfreie Zone einrichten. „Im Sinne unserer kleinsten Gäste und als ein Zeichen für unsere Umwelt haben wir uns dazu entschieden.“ So werde am 30. und 31. Dezember am Strandvorplatz sowie an einem Strandbereich untersagt, Feuerwerkskörper zu zünden.

Feuerwerksfreie Zonen am Strand erweitert

In den Hotels im benachbarten Trassenheide ließ die Kurverwaltung inzwischen Schreiben verteilen, in denen die Gäste aufgefordert werden, nur am Hauptstrandzugang zu böllern. In Koserow und Zempin dagegen soll es keine Einschränkungen an den Stränden geben. Zugleich aber appellieren die Gemeinden mit Aushängen und Plakaten, den Silvestermüll in zusätzlich aufgestellten Tonnen zu entsorgen. Wegen der vielen reetgedeckten Häuser im Dorfkern hat Zempin dort das Böllern allerdings strikt untersagt. Ähnliches gilt für das Unterdorf in Ückeritz, wie Kurdirektor Toni Schulz bestätigt.

Die Usedomer Kaiserbäder, die schon vor einem Jahr zum Schutz von Familien mit Kindern und Hunden erste böllerfreie Strandabschnitte eingerichtet hatten, wollen diese noch einmal erweitern. So soll es in Heringsdorf drei statt nur zwei solcher Schutzzonen geben, und auch Bansin und Ahlbeck weisen mehrere Bereiche ohne Silvesterknallerei aus. Laut Bürgermeisterin Laura Isabella Marisken (parteilos) soll 2020 in den Kaiserbädern eine Grundsatzdebatte darüber angeschoben werden, ob Pyrotechnik generell noch zeitgemäß sei, inklusive Höhenfeuerwerke bei Seebrücken, Seebad-, Hafen- und Heimatfesten.

Gelassenheit auf Rügen

Auf der Nachbarinsel Rügen sieht man die Diskussion dagegen vergleichsweise gelassen. Selbst im Vorzeigebad Binz wird darüber offenbar nicht debattiert. „Es gibt an unseren Stränden keinerlei Böller-Einschränkungen“, sagt Marikke Behrens von der Kurverwaltung Binz.

Locker soll es auch in Sellin zugehen. Zwar werde es vorerst keine Böllerverbote geben, sagt eine Sprecherin der Kurverwaltung. „Aber wir überlegen schon, ob das auch künftig so bleiben kann. Letztes Jahr war in unserem Seebad die Luft zum Schneiden.“ Die Gemeinde empfehle deshalb, das große Feuerwerk kurz nach Zwölf zu feiern. In Göhren soll am Silvesterabend ein Feuerwerks-Tabu auf dem Festgelände am Kurpavillon gelten.

Hiddensee lässt nur ein Abfackeln der Knaller an einem einzigen Ort zu. Auf dem söten Länneken darf nur auf der zentralen Silvesterveranstaltung im Hafen Kloster geböllert werden. In den Ortschaften herrscht dagegen wegen der zahlreichen Reetdachhäuser ein striktes Böllerverbot.

Feuerwerks-Einschränkungen in MV?

Wie in ganz Deutschland wird auch in den Städten Mecklenburg-Vorpommerns über mögliche Einschränkungen diskutiert, um Verletzung feiernder Menschen zu verhindern. Doch in den meisten Fällen wird nicht an den jahrzehntelangen Silvestertraditionen gerüttelt. In Neubrandenburg sei schon vor Jahren ein Vorschlag von Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) in der Stadtvertretung gescheitert, böllerfreie Zonen in der Vier-Tore-Stadt einzurichten, sagt Pressesprecherin Anett Seidel. „Einschränkungen wird es bei uns vorerst nicht geben.“

Ähnlich verlief die Sache in Stralsund, wo im September ein Antrag der SPD auf ein Feuerwerksverbot in der denkmalgeschützen Innenstadt abgelehnt wurde. Auch in Rostock wird es keine Einschränkungen geben. Man appelliere an die Menschen, auf das Böllern zu verzichten, sagte ein Stadtsprecher. Ein Verbot ließe sich ohnehin nicht kontrollieren.

Greifswald hat seine Bürger inzwischen dazu aufgerufen, selbst ihre Meinung zur Lärm- und Feinstaubbelastung in die Entscheidung einzubringen. Bis Ende Januar sollen die ausgefüllten Formulare ausgewertet und zu einer Beschlussvorlage für die Bürgerschaft zusammengefasst werden.

Umwelthilfe fordert Böllerverbot

Letztendlich sollte jeder selbst für sich entscheiden, fordert Hagen Reinhold, FDP-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung. „Wenn der Mensch es einmal im Jahr krachen lässt, dann ist das in Ordnung – genauso okay ist es, wenn er freiwillig darauf verzichtet. Von Verbotsklagen der Deutschen Umwelthilfe halte ich nichts.“

Das Umweltbundesamt hatte vor einem Jahr vor der enormen Feinstaubbelastung durch Silvesterböller gewarnt. Demnach jagen die Deutschen zum Jahreswechsel immer zwischen 100 und 150 Millionen Euro in die Luft. Dabei würden rund 4.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt, eine Menge, die angeblich 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge entspreche.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte daraufhin die Bundesregierung aufgefordert, kommunale Böllerverbote durch Änderungen in der Sprengstoffverordnung und im Bundesimmissionsschutzgesetz zu erleichtern. Im Juli und Oktober hatte die DHU 98 deutsche Städte, in denen die Grenzwertempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht eingehalten würden, angeschrieben und Verbote beantragt. Daraufhin hatte die Feuerwerksindustrie kritisiert, dass DHU und Umweltbundesamt mit unseriösen Zahlen argumentierten, die lediglich auf Modellierungen und Schätzwerten beruhten.