Ostsee: Infektionsgefahr durch gefährliche Vibrionen

Wie hoch ist das Risiko für eine Vibrionen-Infektion?

 
 
 

Ein Bad in Nord- und Ostsee könnte in diesem Sommer gefährlich sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor sogenannten Vibrionen. Eine Infektion mit den Erregern kann im Einzelfall tödlich sein.

Noch sind Nord- und Ostsee kühl, doch stimmen die Vorhersagen der Weltwetterorganisation (WMO), wird sich das bald ändern. Und mit den steigenden Wassertemperaturen könnte sich dort ein gefährliches Bakterium breit machen. Die sogenannten Vibrionen sind zwar nicht für jeden gefährlich, insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem aber kann eine Infektion mit den salztoleranten Bakterien lebensbedrohlich, in Ausnahmefällen sogar tödlich sein.

Wassertemperaturen ab 20 Grad für Vibrionen ideal

„Vibrionen vermehren sich ab Wassertemperaturen von 20 Grad verstärkt“, sagt Eckhard Strauch, Leiter des Konsiliarbüros für Vibrionen des BfR. Durch längere Hitzeperioden, wie sie von der Weltwetterorganisation (WMO) für diesen Sommer in Deutschland vorhergesagt sind, könnte die Wassertemperatur in Zukunft häufiger über 20 Grad klettern, sodass sich die Bedingungen für Vibrionen verbesserten, prognostiziert Strauch.

Vibrionen – warum die Ostsee besonders gefährdet ist

Neben der Hitze und den steigenden Wassertemperaturen komme hinzu, dass die Salzkonzentration in der Ostsee moderat sei. „Gerade für die beiden Vibrionen-Spezies, die besondere Probleme verursachen, Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae non-O1, sind die Bedingungen hier günstig“, erklärt der Biologe. Bitter ist das gerade für diejenigen, die aufgrund der Corona-Krise ihren Urlaub in Deutschland, also auch an Nord- und Ostsee planen. Doch sind Vibrionen wirklich so gefährlich? Hier ein kurzer Überblick zu den Erregern:

Was sind Vibrionen?

Vibrionen ist die eingedeutschte Bezeichnung für Bakterien der Gattung Vibrio. Die bekannteste Art, Vibrio cholerae, ist Auslöser der epidemischen, also seuchenartig auftretenden Cholera. Bei Infektionen wird zwischen Cholera und Nicht-Cholera-Infektionen unterschieden. Bei den in der Nord- und Ostsee vorkommenden Vibrionen Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae non-O1 handelt es sich um sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen.

Wo kommen Vibrionen vor?

Vibrionen kommen weltweit sowohl in Süß- als auch Salzwasser vor. An der gesamten Ostseeküste bis in den baltischen Raum sind sie verbreitet. Auch an der Nordsee kommen sie besonders an Flussmündungen vor. Eine interaktive Karte, auf der die Verbreitung von Vibrionen verfolgt werden kann, ist auf der Internetseite des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlicht.

Wo ist die Infektionsgefahr besonders hoch?

Die Infektionsgefahr ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) an oder unweit von besonders flachen und sich dadurch schnell erwärmenden Küstenbereichen höher, in denen das an Flussmündungen einströmende Süßwasser den Salzgehalt reduziert.

Wie hoch ist das Risiko für eine Vibrionen-Infektion in Deutschland?

Laut BfR-Experte Strauch lag in den vergangenen Jahren die Zahl bekannter Erkrankungen in Deutschland im ein- oder niedrigen zweistelligen Bereich. Die Infektionsgefahr hängt von der Wassertemperatur und damit vom Wetter ab. Gibt es weitere Hitzesommer, wie schon in den Jahren 2003, 2018 und 2019, könnte sich die Zahl der Vibrionen-Infektionen in Zukunft erhöhen.

Wer ist bei einer Vibrionen-Infektion gefährdet?

Junge und gesunde Erwachsene erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) nur selten an einer Vibrionen-Infektion. Gefährlich sind die Bakterien demnach vor allem für ältere sowie immungeschwächte Personen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Lebererkrankungen oder Krebs hätten ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung und einen schweren Krankheitsverlauf. Nur wenige Patienten sind in Deutschland bisher an einer Infektion durch Nicht-Cholera-Vibrionen gestorben.

Was sind Symptome einer Vibrionen-Infektion?

Vibrionen lösen Wundinfektionen aus, die durch den Kontakt offener, nicht verheilter Wunden mit erregerhaltigem Meerwasser, durch Aktivität im Wasser wie Waten oder Baden, hervorgerufen werden. Vibrionen können auch über Wunden eindringen, die man sich im Wasser erst zugezogen hat. Mögliche Symptome einer Vibrionen-Infektion sind starker lokaler Schmerz, Fieber und Schüttelfrost. Auch wer mit Vibrionen kontaminierte Meeresfrüchte isst, die roh oder nur wenig gegart sind, oder kontaminiertes Meereswasser schluckt, ist gefährdet. Er kann sich eine Magen-Darm-Erkrankung zuziehen. Behandelt werden die Infektionen in der Regel mit Antibiotika.