DRK-WASSERWACHT: Ostsee-Schwimmer müssen kleine Verletzungen selbst versorgen

Sicherheit an der Ostsee und an Seen

 
 
 

Die Corona-Pandemie beeinflusst auch die Arbeit der Wasserwacht an der Ostsee und den Binnenseen. Das DRK befürchtet zudem, dass es in diesem Jahr zu mehr Badeunfällen kommen wird.

Schwerin. Die coronabedingte Schließung der Schwimmhallen erhöht nach Einschätzung der DRK-Wasserwacht in der nun beginnenden Badesaison die Gefahr von Badeunfällen mit Kindern.

Seit März habe kein Schwimmunterricht mehr stattfinden können. Das bedeute allein für Mecklenburg-Vorpommern, dass rund 11.000 Schüler der 3. und 4. Klassen nicht richtig schwimmen lernen konnten, sagte der Präsident des DRK-Landesverbandes, Werner Kuhn, am Dienstag in Schwerin. Da in den Ferienmonaten auch keine Schwimmlager möglich seien, ließen sich die Defizite nicht zeitnah beheben. Nach Kuhns Worten verfügt ein Drittel der Grundschüler nicht über ausreichende Schwimmfähigkeiten.

Erhöhte Wachsamkeit am Ostseestrand

Auch deshalb sei an den Stränden der Ostsee und an den Badeseen im Land erhöhte Wachsamkeit geboten. Wegen der fortwährenden Kontaktbeschränkungen hätten die Einsatzkonzepte angepasst werden müssen. Kleinere Verletzungen müssten die Betroffenen unter Anleitung selbst versorgen. Direkte Kontakte zu Badegästen würden auf das Notwendigste beschränkt, dabei gelte in der Regel die Mundschutz-Pflicht.

Weil auch auf den Rettungstürmen der Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten sei, werde das Personal dort teilweise reduziert und stattdessen verstärkt am Strand unterwegs sein. Die Unterbringung auswärtiger Rettungsschwimmer erfolge wegen der Hygienevorschriften nicht in Vier-, sondern in Zweibettzimmern.

Trotz aller Probleme sei es aber auch in diesem Jahr gelungen, ausreichend ehrenamtliche Rettungsschwimmer für die zwei- bis dreiwöchigen Einsätze zu binden, versicherte der zuständige DRK-Bereichsleiter Thomas Powasserat.

Sicherheit an der Ostsee und an Seen

Neben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sorgt die DRK-Wasserwacht für Sicherheit an den Stränden. Rettungsschwimmer des DRK sind laut Kuhn an 14 Abschnitten der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns im Einsatz, darunter Heiligendamm, Warnemünde, Zinnowitz und Ahlbeck. Zudem würden 53 Badestellen an Binnenseen überwacht. In der Badesaison 2019 leisteten rund 1400 Rettungsschwimmer 144.000 ehrenamtliche Wachstunden, listete Kuhn auf. In der Hauptsaison würden täglich rund 180 DRK-Rettungsschwimmer benötigt.

Im Vorjahr hätten sie 124 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. In 15 von 18 Fällen sei der Versuch der Wiederbelebung erfolgreich gewesen. Insgesamt seien in Mecklenburg-Vorpommern elf Menschen beim Baden in der Ostsee ums Leben gekommen. Hauptursachen für schwere Badeunfälle seien in erster Linie Leichtsinn, Selbstüberschätzung und mangelnde Schwimmfähigkeiten.

Ausweichen auf unbewachte Badestellen

Auch die DLRG befürchtet als Folge rückläufiger Schwimmfertigkeiten mehr Badeunfälle mit schweren Folgen. Neben den bekannten Problemen wie einer sinkenden Zahl von Schwimmbädern und langen Wartezeiten für Schwimmkurse komme in diesem Jahr die Corona-Pandemie dazu, erklärte jüngst DLRG-Sprecher Achim Wiese. Zudem bestehe die Gefahr, dass Menschen wegen coronabedingter Einlassbeschränkungen in Bädern auf unbewachte Badestellen ausweichen. Das könne gefährlich sein.

Die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken war zuletzt gesunken. Im Jahr 2019 starben bundesweit mindestens 417 Menschen bei Badeunfällen, überwiegend in Flüssen oder Seen. Das waren nach DLRG-Angaben rund 17 Prozent weniger als 2018. Die DLRG führte den Rückgang vor allem auf das nicht immer vorhandene Badewetter zurück.