Insel-Hopping an der deutschen Ostsee

Insel-Hopping an der deutschen Ostsee

 
 
 

Von Fehmarn im Westen bis Usedom im Osten – wir stellen sieben Eilande mit ihren Besonderheiten vor. Eines allerdings gilt überall: Der Badespaß wird durch die Gezeiten kaum getrübt

Mit Rügen, Usedom und Fehmarn liegen die drei größten deutschen Inseln in der Ostsee. Entscheidender im direkten Vergleich mit der Nordsee sind allerdings die Gezeiten. Denn die Ostsee ist ein „gezeitenschwaches Meer“, Ebbe und Flut machen sich nur wenig bemerkbar. Wer von morgens bis abends am Strand liegen möchte – an der Ostsee ist das möglich. Dafür allerdings entfallen die Wattwanderungen.

Familien- und Aktivurlaub auf Fehmarn

Fehmarn ist die größte Insel Schleswig-Holsteins, die drittgrößte Deutschlands und fast doppelt so groß wie Sylt. Ornithologen und Dänemark-Urlauber werden sie kennen. Denn die Zugvögel aus Skandinavien fliegen über Fehmarn aufs deutsche Festland und zurück. Und dieser „Vogelfluglinie“ folgen auch Züge und Autos, die vom und ins benachbarte Königreich wollen. So liegt die dänische Insel Lolland nur knapp 20 Kilometer entfernt; die Fähren nach Rødby legen in Puttgarden an der Inselnordseite ab. Mit dem deutschen Festland ist die Insel durch die Fehmarnsundbrücke verbunden. Beliebt ist Fehmarn bei Familien, Golfern, Kitern, Windsurfern, Beachvolleyballern und Campern. Gut ein Drittel der Gäste übernachtet auf einem der 16 Campingplätze. Und für Ferien auf dem Bauernhof stehen mehr als 100 Höfe zur Auswahl. Nahezu unberührte Landschaft findet sich in den Naturschutzgebieten im Norden wie im Grünen Brink. Wer einen Gang runterschalten will, kann das frühmorgens an den Stränden machen oder abends an der Küste im Westen, wenn die Sonne untergeht. Und was nicht überall zu haben ist: Fehmarn hat einen Südstrand.

Poel – Kleines Idyll

Mit gut 36 Quadratkilometern ist Poel die drittgrößte Insel in Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem Fahrrad lässt sie sich allerdings mühelos an einem Tag umrunden. Poel, die über einen Damm mit dem Festland verbunden ist, war schon zu DDR-Zeiten eine beliebte Urlaubsinsel. Dennoch gibt es keine Bettenburgen und keinen Massentourismus. Bei Familienurlaubern ist Gollwitz an der Inselnordseite beliebt, wo der Strand flach ins Meer übergeht. Eine Steilküste hat Poel auch, anders als die auf Rügen ist sie allerdings nur wenige Meter hoch.

Hiddensee – Eiland der Künstler

Hiddensee liegt westlich von Rügen und ist deutlich kleiner und ruhiger als die Nachbarinsel, weil es fast keine Autos gibt. Wer von einem Inselort zum nächsten will, geht zu Fuß, fährt Rad oder steigt in eine Kutsche. Bäderarchitektur und eindrucksvolle Seebrücken gibt es hier nicht, dafür kilometerlange Strände, Steilküste und einen Leuchtturm. Urlauber, denen Rügens Seebäder zu trubelig geworden sind, ziehen das entspanntere Hiddensee vor. Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann wusste das schon früh. Er wohnte in Kloster, neben Vitte der wichtigste Ort der Insel. Sein Haus dort ist heute ein Museum. Hiddensee war in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg ein beliebtes Ziel bei Künstlern und Literaten und hat eine lange Tradition für den Sommerurlaub. Kein Wunder: Der Strand an der Westküste ist 14 Kilometer lang, die Insel lässt sich hervorragend mit dem Rad erkunden, der bewaldete Norden mit seinem Steilufer ist ideal für lange Spaziergänge. Und wenn abends die letzte Fähre die Tagesbesucher zurück nach nach Schaprode auf Rügen bringt, wird es noch beschaulicher.

Rügen – Prächtige Bäderarchitektur

Rügen im Osten von Mecklenburg-Vorpommern ist mit Abstand die größte deutsche Insel. Sie ist über die gut vier Kilometer lange Rügenbrücke mit dem Festland verbunden. Bahnreisende können bis Binz durchfahren.

Badeurlauber sind auf Rügen ebenso richtig wie Wander-, Kultur- und Naturtouristen. Zu den wichtigsten Badeorten gehören Sellin, Binz, Göhren und das sehr viel kleinere Baabe – alle an der Ostküste. Sellin und Binz sind bekannt für ihre Strände, ihre Bäderarchitektur aus dem 19.Jahrhundert – und für ihre Seebrücken.

Die Insel hat aber auch abseits der Strände einiges zu bieten: Im Nordosten lohnen ein Abstecher in den Nationalpark Jasmund mit seinem zum Weltnaturerbe zählenden Buchenwald und den berühmten Kreidefelsen, darunter der Königsstuhl als der bekannteste. Er liegt knapp 120 Meter über dem Meeresspiegel. Wandern auf dem Hochuferweg mit Blick auf die Ostsee gehört für viele zu den Höhepunkten ihres Rügenurlaubs. Eine gute Alternative zum Trubel am Strand bieten auch die raue Hügellandschaft der Zicker Berge oder das ausgedehnte Waldgebiet der Granitz, ideale Reviere für Wanderer und Radfahrer. Wer es bequemer mag, steigt etwa in Putbus oder Göhren beim Rasenden Roland ein: Rügens berühmte Schmalspurbahn mit Dampflokomotive.

Vilm – Naturreservat und Honeckers einstiges Hideaway

Von Lauterbach auf Rügen aus steuert die Reederei Lenz in einer Viertelstunde die Insel Vilm an, die etwa so groß ist wie Helgoland. Sie gehört zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Die Zahl der Besucher ist begrenzt, Übernachtungen sind für Touristen nicht möglich. Auch das Baden ist verboten. Wer nach Vilm reist, tut das vor allem wegen der kundigen Führungen durch das Naturreservat mit seinen mehrere Hundert Jahre alten Bäumen. Der DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl besuchte Vilm 1959 und ließ dort Ferienhäuser für Minister der DDR-Regierung bauen. Die gelb gestrichenen Reetdachhäuser, in denen etwa der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht oder das Ehepaar Honecker gewohnt haben, stehen noch.

Usedom – Paradies für Sonnenanbeter und Strandurlauber

Die zweitgrößte Insel Deutschlands ist Usedom. Schon vor dem Ersten Weltkrieg waren die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin angesagte Ziele bei denen, die es sich leisten konnten. Das östliche Inselende gehört heute zu Polen, Swinemünde heißt nun Świnoujście.

Usedom-Fans schätzen an der Insel den breiten, 42 Kilometer langen Strand. Und kaum irgendwo sonst in Deutschland scheint die Sonne so viel wie hier. Ähnlich wie in Binz und Sellin gibt es auch in den Kaiserbädern noch viele beachtliche Häuser aus dem 19. Jahrhundert, als Adel und Geldadel zum Strandurlaub kamen. Viele davon sind heute Hotels. Und auch Heringsdorf und Ahlbeck haben eine Seebrücke.

Zinnowitz und Karlshagen im Norden der Insel liegen zwar direkt an der Küste, sind aber deutlich ruhiger. Für Zempin, Usedoms kleinstes Seebad, gilt das mindestens genauso.

Für Radtouren bietet sich Usedom geradezu an, von einem Kaiserbad zum anderen ist es auch zu Fuß nicht weit. Wer keine Lust auf Strand hat, muss sich keine Sorgen machen. Ausflugsziele gibt es genug, zum Beispiel Peenemünde im Inselnorden oder das Südliche Achterland, wo die Touristendichte deutlich geringer ist als in den Kaiserbädern.

Greifswalder Oie – Ziel für Tagesausflügler und Naturfreunde

In der Pommerschen Bucht nördlich von Usedom und östlich von Rügen liegt die nur 1,5 Kilometer lange und maximal 570 Meter breite Insel Greifswalder Oie. Wie Vilm steht sie unter Naturschutz und kann von Touristen ausschließlich auf Tagesausflügen besucht werden. Das Ausflugsschiff startet im Hafen von Peenemünde und fährt vorbei an der früheren Lotseninsel Ruden. Es braucht rund eineinhalb Stunden. Die Greifswalder Oie ist ein Vogelparadies. Der Vogelschutzverein Jordsand hat hier eine Beringungsstation. In der DDR war die Insel militärisches Sperrgebiet. Weißdorn, Holunder, Schlehe und Brombeeren wachsen auf dem Eiland – und etliche Apfelbäume.

Höchstes Gebäude ist der rote Backsteinleuchtturm aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, der 48 Meter über die kleine Insel ragt. An der Steilküste rauscht die Ostsee. In Richtung Süden ist von dort aus Zinnowitz zu erkennen. Aber die Strandurlauber auf Usedom erscheinen auf der Greifswalder Oie weit, weit weg.