Roadtrip im Oldtimer um die Ostsee – ohne Navi und GPS

Andrea und Gregor gucken sich die Route an

 
 
 

16 Tage, 7.500 Kilometer, zehn Länder und weder Navi, GPS noch Autobahn erlaubt: Die Baltic Sea Rallye hat es wirklich in sich. Zwei Teilnehmer erzählen dem reisereporter von ihrer verrückten Reise im Oldtimer.

Unter den insgesamt 280 Teilnehmern aus verschiedenen Ländern sind auch Gregor Brill (44) und seine Frau Andrea Brill (48) aus Rodenberg, die sich in das große Abenteuer namens „Baltic Sea Circle Rallye 2019“ stürzen.

Gregor Brill hat bereits eine Motorradtouren um die Ostsee gemacht – aber noch nie in Form einer Rallye. Nachdem ein Freund das Paar auf die Rallye aufmerksam gemacht hatte, packte sie die Reiselust.

Seit Samstag ist das Paar nun unterwegs, gestartet sind sie in Hamburg. Von dort ging es Richtung Skandinavien, zum Nordkap, nach Russland, in die baltischen Staaten und nach Polen, bevor es zurück nach Deutschland und schließlich wieder nach Hamburg geht.

Regeln bei der Rallye: Navi, GPS und Autobahn sind tabu

Das spannende an der Rallye: Navi, GPS und das Befahren der Autobahn sind tabu. Stattdessen werden wieder die Landkarten rausgeholt, und es wird der eigene Orientierungssinn geschult.

Darüber hinaus muss es sich bei dem genutzten Fahrzeug um ein Modell handeln, das mindestens 20 Jahre alt ist und nicht mehr als 2.500 Euro gekostet hat.

Bei den Brills fiel die Wahl nach Ebay-Stöbereien auf einen Kastenwagen Renault Kangoo mit wenigen Kilometern auf der Uhr.

„Der Wagen ist technisch in Ordnung, bietet Innen genug Platz und ist bequem“, sagt Gregor Brill. Sogar eine Extra-Batterie, eine Solarzelle, eine Küchenzeile und ein Schlafplatz sind vorhanden.

Spenden gehen an die Stiftung Mercury Phoenix Trust in England

Wir können ein echtes Abenteuer erleben und sammeln dabei noch Geld für einen guten Zweck.
Gregor Brill

Außerdem soll jedes Team 750 Euro für ein nachhaltiges Charityprojekt seiner Wahl spenden. Das Ehepaar, das großer Queen-Fan ist, entschied sich, an die Stiftung Mercury Phoenix Trust in England im Kampf gegen Aids zu spenden. Der Teamname war dann auch schnell auserkoren: der Mercury-Express.

Gerade diese Spendenaktion weckte die Begeisterung der Brills: „Wir können ein echtes Abenteuer erleben und sammeln dabei noch Geld für einen guten Zweck. Das dreht die ganze Sache noch mal. Dieser Teil der Rallye ist uns besonders wichtig.“

Die Familie sei daher sehr dankbar für die vielen Sponsoren und Unterstützer ihrer Reise. Andrea und auch Gregor Brill, der unter anderem beim „Wirtschaftsklub“ in der Nordregion in Hannover tätig ist, konnten viele Mitgliedsbetriebe für die Spendenaktion akquirieren, sodass eine beachtliche vierstellige Summe zusammengekommen ist.

Was die beiden als größte Herausforderung der Reise ansehen?

Das Weglassen von Navi und GPS ist es nicht. Eher ist es die Einreise nach Russland, die schon im Vorfeld aufwendig zu planen war, da zum Beispiel ein Visum beantragt werden musste und eine grüne Versicherungskarte benötigt wird.

Diese dient als Nachweis der Kfz-Haftpflichtversicherung und ist in Russland Pflicht, in Deutschland und den anderen EU-Ländern hingegen nicht.

Da bleibt nur freundlich lächeln und sich mit Händen und Füßen durchwursteln übrig.
Gregor Brill

Hinzu kommt die russische Sprache mit anderen Schriftzeichen, die das Lesen der Straßenschilder erschweren wird. „Da bleibt nur: Freundlich lächeln und mit Händen und Füßen durchwursteln“, sagt Gregor und lacht.

Während der Erlebnisreise wird im Zelt in der Wildnis übernachtet

Nächtigen möchte das Paar die meiste Zeit im Zelt in der Wildnis. „Vielleicht alle paar Tage auf den Campingplatz oder ins Hotel, um sich aufzufrischen.“

Es gibt nämlich ein Roadbook, in dem viele Etappenvorschläge und Challenges für die Teilnehmer aufgelistet sind, die sie während ihrer 16-tägigen Fahrt erledigen können, um so Punkte für die Rallye zu generieren – darunter das Wild-Camping.

Da die Brills bereits viel mit ihrem Wohnmobil unterwegs waren und geübte Camper sind, sehen sie das Zelten in der Wildnis ganz entspannt und lassen es einfach auf sich zukommen. Die meiste Campingausrüstung hatten sie daher auch schon parat.

„Wir tun uns beim Wild-Campen sicherlich mit den anderen Teilnehmern zusammen. Dann wird der Grill noch rausgeholt und los geht’s. Das wird bestimmt eine nette Gesellschaft“, erzählt Gregor zuversichtlich.

Am meisten freut sich das Paar auf Norwegen und Sankt Petersburg

Auf die Frage, auf welche Länder sie sich am meisten freuen, antwortet Gregor mit Schweden und Finnland. Aber noch mehr Vorfreude verspüren sie auf Norwegen. „Die Lofoten und das Nordkap muss man einfach mal gesehen haben.“ Und auch auf Sankt Petersburg sind beide gespannt. „Da kommt man nicht mal eben so aus Versehen vorbei.“

Wenn die beiden übrigens nicht gerade auf großer Erlebnisreise sind, ist Andrea bei der Geschäftsstelle vom Wirtschaftsclub angestellt, ebenso wie ihr Ehemann als stellvertrender Vorsitzender und Unternehmer eines Pflegeheims in Langenhagen.