Mit dem Segelboot alleine über die Ostsee

Der 20-jährige Johann Zimmermann ist alleine von Barth nach Kiel gesegelt.

 
 
 

Der Barther Johann Zimmermann hat sich am 2. Juni auf den Weg gemacht. Bis nach Kiel ist der 20-Jährige schon gekommen, sein großes Ziel ist Dänemark.

Barth. Die Einsamkeit war am Anfang das größte Problem für Johann Zimmermann. Seit dem 2. Juni ist der 20-Jährige mit dem Segelboot seiner Mutter unterwegs – und zwar allein. „Am ersten Tag hat meine Mutter mich noch begleitet. Da sind wir bis Dabitz gesegelt“, berichtet der Barther. Doch danach sei er auf sich allein gestellt gewesen. Nach einem Zwischenstopp in Barhöft ging es raus auf die Ostsee.

Die Idee, eine Tour mit dem Segelboot über die Ostsee zu machen, sei vor einem Jahr entstanden. Nach dem Abitur war sich Johann Zimmermann nicht sicher, was er studieren soll. „Nautik oder Schiffbau, ich konnte mich nicht entscheiden und wollte nicht ein Studium anfangen und es dann wieder abbrechen“, berichtet der Barther. Als die Bewerbungsfrist schon fast abgelaufen war, entschied er sich, sich Zeit zu lassen. „Ich wollte erst einmal ein Praktikum machen und reisen. Die Idee mit dem Segelboot zu fahren, kam von meiner Mutter.“ Als er ihr von seinen Reiseplänen erzählte, habe sie gleich gesagt: „Wir haben doch ein Boot, nimm das doch.“

Boot für die Tour herausgeputzt

Nachdem er dann zunächst sein Praktikum bei der Schiffswerft Barth absolviert und er mit Nebenjobs Geld für die Reise gespart hatte, gingen die Vorbereitungen los. „Ich habe das Schiff vorher noch renoviert und auf Vordermann gebracht. Eigentlich ist es kein Boot für die Ostsee, ich hatte noch nicht einmal Strom an Bord“, berichtet der gebürtige Kieler, der seit der dritten Klasse in Barth wohnt. Zwei Monate hat er gewerkelt und unter anderem eine Solarzelle auf dem Boot installiert. Gerne hätte er auch einen Mitsegler dabei gehabt, doch all seine Freunde waren mittlerweile im Studium oder in der Ausbildung. Verwerfen wollte er seine Pläne nicht und so entschied er sich, die Sache alleine durchzuziehen. „Klar macht meine Mutter sich Sorgen, weil ich ganz alleine unterwegs bin“, sagt der 20-Jährige.

Da das Boot, ein 20er Jollenkreuzer, relativ klein sei, könne man es aber gut alleine händeln. „Das ist alles sehr übersichtlich und ich habe es mir so eingerichtet, dass ich alles von ganz hinten bedienen kann. Allerdings habe ich keinen Autopilot, das Boot fährt also nicht alleine geradeaus.“ Bei Manövern müsse er ganz besonders aufpassen. „Ich darf nicht hektisch werden und muss alles in Ruhe machen. Denn wenn ich über Bord falle, bin ich ganz alleine. Dann wird es schwierig.“ An die Einsamkeit an Bord habe er sich aber mit der Zeit gewöhnt. „Am Anfang war es schwer. Ich war sonst immer unter Leuten und plötzlich ist man ganz alleine. Wichtig ist, dass man immer beschäftigt ist. Irgendetwas muss man ja immer reparieren oder ich lese.“ Und in den Häfen, in denen er meist nachmittags ankam, habe er hin und wieder auch Besuch von Freunden bekommen.

Perfekter Empfang auf der Ostsee

Seine Tour hat ihn bisher von Barth, über Dabitz, Barhöft, Warnemünde, Rerik, Kirchdorf auf Poel, Boltenhagen, Heiligenhafen bis nach Kiel geführt. Immer wieder musste er aufgrund des Wetters auch einen Tag pausieren und konnte erst dann weitersegeln. Die Tour von Heiligenhafen nach Kiel sei bisher die längste und anstrengendste gewesen. „Ich musste einen großen Bogen auf der Ostsee machen, weil die Bundeswehr Schießübungen auf dem Wasser gemacht hat und das Gebiet weiträumig abgesperrt war. Das war eine große Herausforderung.“ Überraschend gut sei der Handyempfang. „Mitten auf der Ostsee hatte ich meist 3G. Für mich ist das Handy aber auch sehr wichtig, weil ich kein GPS an Bord habe.“

In seiner alten Heimat will er jetzt erst einmal etwas entspannen. „Ich besuche Freunde. Nächste Woche beginnt die Kieler Woche, die nehme ich vielleicht noch mit und dann schaue ich, wie es weitergeht.“ Sein großer Traum ist es, mit dem Boot bis nach Dänemark zu segeln. „Eine dänische Flagge habe ich schon an Bord. Aber ich habe mir das Ziel von Anfang an offengelassen. Bis nach Kiel wollte ich auf jeden Fall kommen und dass habe ich schon einmal geschafft.“ Da er mit dem Boot nicht bei jedem Wetter segeln könne, sei eine Planung sowieso nicht möglich. „Alles über Windstärke fünf wird schwierig“, sagt der Barther. Seinen Zwischenstopp in Kiel nutzt er gleich, um eine Wohnung zu suchen. Denn ab September studiert er hier Schiffbau. „Deshalb will ich auch im August spätestens wieder zurück in Barth sein. Schließlich muss ich noch meinen Umzug vorbereiten“, sagt Johann Zimmermann.