Ostsee-Ascher jetzt auch in Sellin

Ab 1. Juli werden auf Initiative des Tourismusverbandes Rügen auch diese kleinen Metall-Aschenbecher für den Strand ausgeteilt.

 
 
 

Um seine beiden Strände von Zigarettenresten sauber zu halten, stellt das rügensche Ostseebad sieben Entsorgungsboxen auf. Das vor drei Jahren in Warnemünde gestartete Pilotprojekt hat den Kippen-Müll reduziert.

Sellin. Damit Zigarettenreste nicht mehr im Sand landen, stellt Sellin an seinen Stränden Ascher-Boxen auf. Der erste sogenannte Ostsee-Ascher wurde schon an der Seebrücke montiert. Zwei weitere Behälter werden am Hauptstrand und vier am Südstrand folgen.

Denn beim Strandmüll stellen Zigarettenstummel das größte Problem dar, weiß Nadine Stybel von der Küsten Union Deutschland. Der Verein ist die hiesige Landesorganisation der Coastal & Marine Union (EUCC) und kümmert sich um dem Müll, der in die Ostsee gelangt. Unterstützt vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde, erfassen die Vereinsmitglieder regelmäßig den Müll, der sich im Spülsaum oder im Strandsand findet.

Kippen am Strand sehen nicht nur unschön aus, sie verrotten auch nicht. „Die Gefahr steckt im Filter, der aus Celluloseacetat besteht und sich nicht auflöst, sondern durch Sonne und Wasser in immer kleinere Teile zerfällt. Viele Leute denken, dass Zigarettenkippen aus Papier sind“, so Stybel. Der Mikro-Plastik lande im Meer und somit auch in der Nahrungskette von marinen Organismen und Meeresvögeln. Und schießlich auch im Fisch auf den Tellern der Menschen.

Der Ostsee-Ascher ist vor drei Jahren in Zusammenarbeit von Küsten Union Deutschland und Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde als Pilotprojekt mit fünf Entsorgungsbehältern gestartet. Die Idee stamme aus Großbritannien, wo die Ascher in den großen Städten aufgestellt werden. In Warnemünde und Markgrafenheide gebe es inzwischen 11 Ascher. Seither sei ein Rückgang von Zigarettenkippen am Strand zu verzeichnen.

Die Kurverwaltung Sellin war auf das Warnemünder Projekt aufmerksam geworden und hat es nach Rügen geholt. „Wir glauben, dass die Raucher die Ascher auch nutzen werden, wenn sie am Strandaufgang stehen“, erklärt Steffi Besch.

Finanziert wurden die Selliner Ostsee-Ascher vom Rostocker Modelabel „Heimatmeer“. „Wir sind nicht nur eine Klamottenmarke. Durch die Liebe zum Meer setzen wir uns für den Erhalt der Meere ein“, sagen Ronny Schimpf und Kim Zeidler, die bei der Montage des ersten Aschers in Sellin dabei waren. Zehn Prozent der Firmenerlöse würden in den Meeresschutz fließen.

Um auf die langfristige Schädigung von Strand und Meer durch das unachtsame Verursachen von Müll aufmerksam zu machen, sind die Ascher an Hinweistafeln angebracht. Die informieren zum Beispiel, dass der Zerfall eines Papiertaschentuches im Meer einen Monat dauert, eines Styroporbechers 50 Jahre und einer Plastikflasche 450 Jahre. Ein Zigarettenstummel kann 60 Liter Wasser verunreinigen. Raucher können beim Entsorgen ihrer Kippen an Abstimmungen teilnehmen oder Fragen beantworten – durch Auswahl eines der beiden durchsichtigen Kippen-Fächer. „Dies soll das Interesse für die Boxen wecken. Gleichzeitig könnten die Antworten ein Barometer für verschiedene Umfragen sein“, so Besch.

Den Ostsee-Aschern sollen am 1. Juli die „Kippenkiller“ folgen. Das sind kleine Döschen aus Metall, in die Raucher ihre Kippen stecken. Sie sollen in den Kurverwaltungen kostenlos verteil werden und sind Bestandteil der Kampagne „Weniger fürs Meer – Initiative zur Vermeidung von Einwegplastik und zur Stärkung des Umweltbewusstseins“ des Tourismusverbandes Rügen. Weitere Maßnahmen sollen die Strände der Insel sauber halten. Neben dem Strandascher sind dies auch das Mehrwegbecher-Pfandsystem „ReCup“ sowie die „Dreck-Bag“, eine Tüte aus Biokunststoff (Maisstärke).