Erstes Großmanöver britisch geführter Expeditionstruppe JEF in der Ostsee

Erstes Großmanöver britisch geführter Expeditionstruppe JEF in der Ostsee

 
 
 

Rund 17 Schiffe nördlicher Nato-Staaten sowie der Neutralen Schweden und Finnland erstmals seit Gründung der „Joint Expeditionary Force“ 2014 im Einsatz. Doch das wird nur Teil eines weit größeren westlichen Manövers in der Ostsee.

In Teilen der Nordsee sowie vor allem der Ostsee beginnt in Kürze ein großes Marinemanöver mit Kriegsschiffen, Luftfahrzeugen und Marineinfanterie aus neun Staaten, das zugleich das erste seiner Art ist: Die Streitkräfte der neun Teilnehmer Großbritannien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland und Litauen sind nämlich erst seit wenigen Jahren durch politisch-militärische Arrangements dergestalt verbunden, dass sie unter britischer Führung eine „Joint Expeditionary Force“ (JEF, gemeinsame Expeditionstruppe) bilden können. Das ist eine je nach Bedarf zusammenstellbare Streitmacht von durchaus mehr als 10.000 Mann, die Einsätze im Rahmen von EU und UNO, für humanitäre Zwecke und zur Abschreckung militärischer Gegner durchführen soll. Als einer davon gilt klar Russland.

Die Gründung der JEF wurde 2014 beim Nato-Gipfel in Wales beschlossen, 2017 stießen die Neutralen Finnland und Schweden dazu. Sie ist nicht zu verwechseln mit der 2010 politisch beschlossenen „Combined Joint Expeditionary Force“ (CJEF), einer ebenfalls nach Bedarf zusammenstellbaren britisch-französischen Streitmacht.

JEF-Übungen in Großbritannien gab es schon mehrfach – etwa jene vom Mai 2018 in Südengland mit mehr als 12.000 Soldaten aus gesamt sogar 17 Staaten. Das Manöver in der Ostsee namens „Baltic Protector“ wird jedoch das erste fernab der britischen Inseln und in einem potenziellen Ernstfall-Einsatzgebiet sein.

Deren Größe wird dabei auf den ersten Blick zwar nicht gewaltig sein: Am Dienstag war von nur rund 3900 Mann Personal und 17 Schiffen die Rede. Dennoch sagte Peter Laughton, Captain der Albion, dass es sich dabei um die größte britisch geführte Militäroperation in Europa seit Jahrzehnten handle und man damit Bereitschaft zeigen wolle.

HMS Albion als Führungssschiff

Als Führungsschiff ist bereits gestern Montag das Flaggschiff der Royal Navy von Südengland Richtung Dänemark ausgelaufen, nämlich HMS „Albion“, ein amphisches Landungsschiff (Verdrängung rund 19.500 Tonen) mit Hubschraubern und Platz für 400 bis 700 Marineinfanteristen sowie 30 bis etwa 65 Landfahrzeugen. Von britischer Seite hieß es, dass auch Luftwaffe und Armee an den Manövern teilnehmen.

Vereinigung mit weiteren Verbänden

Außerdem wird sich die JEF in der Ostsee alsbald mit weiteren Einheiten der Nato sowie Schwedens vereinigen. So findet auf einem Übungsgebiet im Bottnischen Meerbusen nördlich von Stockholm ein Übungsschießen statt, bei dem neben schwedischen Verbänden unter anderem auch die deutschen Fregatten „Augsburg“ und „Hamburg“ teilnehmen. Und im Juni startet in der Ostsee auch noch das US-geführte Großmanöver „Baltops 2019″, an dem allein um die 50 Schiffe und Boote aus 18 Staaten mitmischen sollen, darunter auch aus Kanada, Spanien und der Türkei.

Solche Manöver seien zwar keine „spontane“ Angelegenheit in Reaktion auf aktuelle Ereignisse, sondern Jahre im Voraus geplant, sagt Sebastian Bruns, Leiter der Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit beim Institut für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel, im Gespräch mit den „Kieler Nachrichten“. Man müsse das aber jedenfalls als Signal an Russland werten, dass die Nato als Bündnis auch zur See funktioniere.

Russland betreibt in der Ostsee die Baltische Flotte, Hauptquartier Kaliningrad, in Verein mit damit verbundenen Luft-, Marineinfanterie- und Landstreitkräften. Die Größe fluktuiert und wurde zuletzt auf etwa 55 Kriegsschiffe aller Art geschätzt, darunter etwa 27 größere Einheiten (Zerstörer, Fregatten, Korvetten).

Wie Russland sich angesichts der westlichen Großmanöver verhalte, sei noch unklar, so Bruns. „Vermutlich greift Russland zu hybriden Maßnahmen und wird das Internet für Gegenmaßnahmen nutzen.“ Allerdings sind die bereits in der Ostsee aktiven West-Schiffe unter russischer Beobachtung, was sich fortan nicht ändern wird.

Die russischen Streitkräfte in der Ostseeregion sind auch sonst recht aktiv: Es kommt oft zu Zusammentreffen mit Kampfflugzeugen der Nato und der neutralen Anrainer; erst im April gab es ein Manöver, bei dem laut Nachrichtenagentur TASS die Abwehr von Feindflugzeugen geübt wurde und Land- und Seeziele mit Schiffsartillerie beschossen wurden.