Der Taucher und seine Liebe zur Ostsee


 
 
 

Leidenschaft und Sorge liegen eng beieinander, wenn Gisbert Jäger über seine große Liebe erzählt. Der Pädagoge, Meeresbiologe und leidenschaftliche Taucher aus Gettorf sagt: „Ich liebe die Ostsee. Sie ist ein Teil von mir.“ Der 81-Jährige will auch andere für die Unterwasserwelt begeistern.

Kiel. Die Sorge des gebürtigen Rostockers speist sich aus Bildern. Bildern, die man nur sieht, wenn man das Meer nicht allein als glitzernde Oberfläche wahrnimmt, die zum Baden und Segeln einlädt, sondern wenn man an einem trubeligen Badetag den Strand hinter sich lässt und einige Meter abtaucht in Tiefen, in denen ein brauner Horizont die Ostsee plötzlich teilt: in einen oberen, sommerlich warmen und einen unteren, winterlich kalten Teil. Das ist die „Sprungschicht“ der Ostsee, ein typisch sommerliches Phänomen.

Im Tiefenwasser fehlt der Sauerstoff

Auf dem kalten und dichteren Tiefenwasser bleibt das herabsinkende Plankton für kurze Zeit liegen und macht die Trennschicht sichtbar. Der dunkle Grund darunter ist schlammig, bedeckt mit losgerissenen Algen, Seegräsern und Planktonmassen. Große weiße Schwefelflecken breiten sich auf dem Meeresboden aus, und immer wieder lösen sich silberne Blasen aus Schwefelwasserstoff und schaukeln der fernen Oberfläche entgegen. Willkommen in der Giftküche der Ostsee!

In der 80ern gewann Jäger eine Nikomos V

Ende der 80er Jahre hatte Jäger eine Reportage über die Reise in diese dunkle und sauerstoffarme Welt der Ostsee beim Wettbewerb „Umweltreporter“ der damaligen Zeitschrift „Kosmos“ eingereicht und den zweiten Preis gewonnen. Vom Preisgeld kaufte er sich eine Nikomos V, damals der Traum aller Unterwasserfotografen. „5000 Aufnahmen habe ich damit gemacht, und kein einziges Mal ist sie abgesoffen.“

In fast allen Weltmeeren getaucht

Gisbert Jäger ist in fast allen Weltmeeren getaucht – ohne Sauerstoffflasche. Die Leidenschaft für die Ostsee hat er schon vor dem Krieg getankt, bei regelmäßigen Strandkorb-Tagen mit seiner Mutter in Warnemünde. „Ankommen, umziehen und ab ins Wasser – das war pures Glück für mich.“ Als dann britische Bomber den Strand zerpflügten, war es erst mal vorbei mit der Seligkeit.

Die Ostsee machte ihn zum Forscher

Doch der Neuanfang in Schleswig-Holstein brachte Jäger der Ostsee nur noch näher. Je mehr er die Unterwasserwelt erkundete, desto größer wurde der Forscherdrang. Jäger studierte auf Lehramt Biologie, Chemie und ergänzend Meeresbiologie an der Uni Kiel, seine Examensarbeit befasste sich mit der Ökologie von Seegraswiesen in der Kieler Bucht: „Meines Wissens war das die erste meeresbiologische Arbeit an der CAU, die tauchend durchgeführt wurde.“

Wer die Faszination des Meeres vermitteln und Menschen für ökologische Zusammenhänge sensibilisieren will, der sollte nicht nur Spaß am Forschen haben, sondern sein Wissen auch so vermitteln können, dass es andere begeistert. Das ist Jäger fraglos gelungen.

Auch ein Bilderbuch erklärt die Ostsee

Nicht nur als Gymnasiallehrer legte er sich ins Zeug für die Umweltpädagogik. Er hielt jede Menge Vorträge, organisierte Exkursionen und engagierte sich in Bürgerinitiativen für den Schutz der Ostsee.

Eine Riesenportion Zeit und Liebe steckte Jäger auch in sein kleines Buch „Abenteuer mit dem U-Boot in der Ostsee“, für das er ein kleines Spielzeug-U-Boot auf die Reise schickte, in dem Steffi und der kleine Taucher Eddy den Meeresgrund erforschen und abenteuerliche Begegnungen mit Strandkrabben, Seesternen und Feuerquallen erleben.

Mit 81 erforscht Jäger Plankton

Auch mit 81 will Jäger nicht damit aufhören, andere für die Unterwasserwelt zu begeistern – auch wenn er als Taucher nur noch im Flachwasser unterwegs ist. Seine jüngste Forschung widmet sich dem Thema Plankton: „Das ist eine absolut faszinierend Lebensform, über die die meisten Menschen leider viel zu wenig wissen.“